Dortmunds Polizei warnt vor gezielter Jugendrekrutierung durch Rechtsextreme
Marie FuchsDortmunds Polizei warnt vor gezielter Jugendrekrutierung durch Rechtsextreme
Dortmund verzeichnet Verschiebung in rechtsextremer Szene – Polizei warnt vor Jugendrekrutierung
In den vergangenen zwei Jahren hat sich die rechtsextreme Aktivität in Dortmund gewandelt. Zwar gingen die gemeldeten Straftaten 2025 zurück, doch die Polizei zeigt sich besorgt über gezielte Anwerbeversuche unter Jugendlichen. Eine spezielle Ermittlungseinheit, ursprünglich als zeitlich befristetes Projekt gestartet, arbeitet mittlerweile dauerhaft an der Bekämpfung des Problems.
Die Lage spitzte sich im April 2024 zu, als die rechtsextreme Partei Die Heimat in Dortmund-Dorstfeld ihren Jugendverband Junge Nationalisten gründete. Als Reaktion startete die örtliche Polizei ein Ermittlungsprojekt unter demselben Namen. Bis September 2025 hatte sich daraus eine fest etablierte Sonderkommission entwickelt.
Bei den Polizeiermittlungen wurden 77 neue Personen identifiziert, die mit der Dortmunder rechtsextremen Szene in Verbindung stehen. Davon waren 67 Jugendliche, Minderjährige oder sogar Kinder. Viele von ihnen hatten zuvor keine extremistischen Auffälligkeiten gezeigt, was eine frühzeitige Erkennung erschwert.
2024 registrierte Dortmund 295 politisch motivierte rechtsextreme Straftaten – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Die meisten Fälle betrafen Propaganda oder Volksverhetzung. 2025 verzeichnete die Stadt jedoch erstmals seit vier Jahren einen Rückgang, obwohl die bundesweiten Zahlen zu rechtsextremer Gewalt von 1.488 auf 1.521 Vorfälle stiegen. Vergleichsdaten anderer Großstädte liegen bisher nicht vor.
Um Extremismus entgegenzuwirken, setzt die Polizei auf eine Mischung aus präventiven und repressiven Maßnahmen. Werden Hinweise darauf gefunden, dass jemand an einer rechtsextremen Veranstaltung teilgenommen hat, versuchen die Beamten, die Person zu identifizieren und gezielt anzusprechen. Ziel ist es, Betroffene zu erreichen, bevor sie sich tiefer in extremistische Strukturen verstricken. Auch den Familien wird Unterstützung angeboten.
Die dauerhaft eingerichtete Sonderkommission beobachtet weiterhin die Rekrutierungsbemühungen der rechtsextremen Szene, insbesondere unter Jugendlichen. Angesichts der 67 Minderjährigen, die in jüngsten Ermittlungen auffielen, betonen die Behörden die Dringlichkeit frühzeitiger Interventionen. Der Rückgang der gemeldeten Straftaten deutet zwar auf erste Erfolge hin, doch die Polizei bleibt wachsam – die Gefahr besteht fort.