EU-Reform des Emissionshandels: Kompromiss zwischen Klima und Industrie in Sicht
Moritz KellerEU-Reform des Emissionshandels: Kompromiss zwischen Klima und Industrie in Sicht
Die Europäische Union steht vor einer Reform ihres Emissionshandelsystems (EU-ETS), mit zentralen Anpassungen, die Klimaziele und Industriebedürfnisse in Einklang bringen sollen. Zu den vorgeschlagenen Änderungen gehören eine längere Auslaufphase für die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten sowie ein gestärkter Marktstabilitätsmechanismus (MSR), um Preisschwankungen bei CO₂ zu begrenzen. Die Reformen folgen monatelangen Verhandlungen und Zugeständnissen an Branchen wie die Chemieindustrie, die umfassende Überarbeitungen gefordert hatte.
In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt hatten Evonik-Chef Christian Kullmann und der EU-Abgeordnete Peter Liese kürzlich pragmatische Kompromisse angemahnt – ein Spiegel der Branchenbedenken, bei gleichzeitiger Bewahrung des ETS in seiner Grundsubstanz.
Am Mittwoch wird die Europäische Kommission ihre ersten Reformvorschläge für das ETS vorlegen. Diese Pläne markieren eine Abkehr von früheren, strengeren Entwürfen. Die ursprünglich bis 2034 vorgesehene kostenlose Zertifikatsvergabe wird nun verlängert, um energieintensive Industrien zu entlasten. Auch die Referenzwerte für Sektoren wie die Chemie werden angepasst, um die realen Produktionsbedingungen besser abzubilden.
Eine weitere zentrale Neuerung betrifft den Marktstabilitätsmechanismus (MSR): Die EU wird die dauerhafte Streichung von Zertifikaten im MSR einstellen – ein Schritt, der die CO₂-Preise stabilisieren und extreme Schwankungen verhindern soll. Diese Anpassung entspricht Forderungen von Industrievertretern wie Kullmann, der das ETS zuvor als zu starr kritisiert hatte.
Trotz der Lockerungen bleibt die Grundstruktur des ETS erhalten. Ursula von der Leyen kündigte die Änderungen nach einem EU-Gipfel an und betonte, dass Wettbewerbsfähigkeit und Emissionsziele gleichermaßen im Blick bleiben müssten. Der neue Ansatz sieht einen schrittweiseren Reduktionspfad vor und gibt der Industrie mehr Zeit zur Anpassung.
Das überarbeitete ETS-Rahmenwerk verlängert die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten und stärkt die Preissteuerung über den MSR. Die Chemie- und andere energieintensive Branchen profitieren von angepassten Referenzwerten, die die Compliance-Kosten senken. Die Kommissionsvorschläge zielen darauf ab, Umweltziele mit wirtschaftlichen Realitäten in Einklang zu bringen – die finalen Details werden jedoch erst im anstehenden Reformpaket festgezurrt.






