Jubiläumswettbewerb in Jekaterinburg feiert Renaissance der Operette mit Rekordbeteiligung
Henry SchmittJubiläumswettbewerb in Jekaterinburg feiert Renaissance der Operette mit Rekordbeteiligung
Der 10. Internationale Wettbewerb für junge Operetten- und Musical-Künstler hat seine Jubiläumsausgabe in Jekaterinburg beendet
Die diesjährige Ausgabe des Wettbewerbs verzeichnete eine Rekordzahl an Bewerbungen: Über hundert Teilnehmer aus verschiedenen russischen Städten sowie aus Minsk und Taschkent reichten ihre Beiträge ein. Zum ersten Mal seit Jahren überstieg die Zahl der Operettenbeiträge leicht die der Musicals – ein Zeichen für das wiedererwachte Interesse am klassischen Genre.
Die Teilnehmer kamen aus unterschiedlichen Hintergründen, darunter Studierende renommierter Musikhochschulen. Viele der klassisch ausgebildeten Sänger präsentierten Arien von Donizetti, Rossini und Mozart – ein Trend, den Boris Nodelman, künstlerischer Leiter des Musikalischen Komödientheaters Jekaterinburg, hervorhob. Ihre Teilnahme zeigte, wie konservatoriumsgeschulte Künstler zunehmend auch die Operette in ihr Repertoire aufnehmen.
Besonders auffällig war in diesem Jahr die erweiterte Preisvergabe: Neben zahlreichen Sonderpreisen wurden auch Ehrungen nach legendären Persönlichkeiten der Branche vergeben. Ein Grand Prix wurde jedoch nicht verliehen – eine Entscheidung, die der Tradition entspricht, da dieser Preis seit der einzigen Vergabe im Jahr 2006 nicht mehr vergeben wurde.
Mit 56 Beiträgen lag die Operette knapp vor dem Musical (50 Beiträge). Maxim Isakowitsch, ein langjähriger Teilnehmer, bezeichnete diese Verschiebung als bedeutend, angesichts der bisherigen Dominanz des Musiktheaters. Er betonte die Wichtigkeit der Operette als klassisches Genre und plädierte für ihre weitere Förderung. Gleichzeitig räumte er ein, dass nicht alle Teilnehmer von Anfang an glänzen – manche entfalten ihr Potenzial erst in späteren Runden.
Die Jury, darunter Georgi Isakjan, lobte die "wahren Entdeckungen" im Bereich der Operette. Isakjan unterstrich die Notwendigkeit, dass Künstler durch frische, innovative Ansätze das Publikum erreichen. Kreative Adaptionen – wie Heldinnen mit Gewehren oder in Cowboy-Kostümen – wurden als Möglichkeiten diskutiert, moderne Zuschauer zu begeistern, ohne die Traditionen des Genres zu vernachlässigen.
Der Jubiläumswettbewerb spiegelte sowohl Kontinuität als auch Wandel wider. Der Anstieg der Operettenbeiträge und die Beteiligung klassisch ausgebildeter Sänger unterstreichen die anhaltende Faszination für das Genre. Gleichzeitig verdeutlicht das Fehlen eines Grand Prix den anspruchsvollen Charakter der Veranstaltung, während sich Organisatoren und Teilnehmer auf künftige Ausgaben vorbereiten.






