Kölner Archiv-Einsturz 2009: Wie eine Baustelle die Stadt bis heute prägt
Henry SchmittKölner Archiv-Einsturz 2009: Wie eine Baustelle die Stadt bis heute prägt
Ein verheerender Einsturz im Jahr 2009 zerstörte das historische Stadtarchiv Kölns, kostete zwei junge Männer das Leben und begrub jahrhundertealte Dokumente unter sich. Die Katastrophe ereignete sich während des Baus der Nord-Süd-U-Bahn-Linie, als sich unter benachbarten Häusern ein Grundwasserkrater auftat. Noch 14 Jahre später ist die Baustelle unvollendet – geprägt von Verzögerungen und Kontroversen.
Der Einsturz geschah am 3. März 2009, als die Tunnelarbeiten den Untergrund unter dem Archiv destabilisierten. Das Gebäude beherbergte 1,7 Millionen Dokumente, einige über 1.000 Jahre alt. Innerhalb weniger Minuten stürzte das Bauwerk in die Tiefe und riss zwei Anwohner aus benachbarten Häusern in den Tod.
Verantwortlich für das Projekt war die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die zuvor keine Erfahrung mit großflächigen unterirdischen Bauvorhaben hatte. Spätere Ermittlungen deckten auf, dass kritische Stahlträger vor der Katastrophe gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren. Ihre Entfernung hinterließ die Baustelle in gefährlich instabilem Zustand.
Rettungskräfte verbrachten Monate damit, durch Trümmer und zerrissenes Papier zu sieben. Dokumentenfragmente wurden geborgen und in 20 Notarchiven verteilt. Juristische Verfahren zogen sich über Jahre hin, bis 2024 schließlich Verurteilungen, Freisprüche und Geldstrafen ausgesprochen wurden.
Seit 2011 setzt sich die Aktivistengruppe ArchivKomplex für eine sinnvolle Einbindung in die Neugestaltungspläne ein. Zudem fordert sie ein würdevolles Mahnmal für die Opfer und die verlorene Geschichte. 2022 wurde Reinhard Matz' Kunstwerk "Klagelied in acht Tafeln" an der Baustellenabsperrung angebracht – eine eindringliche visuelle Darstellung des Einsturzes.
Die U-Bahn-Linie, einmal fertiggestellt, wird Fahrgästen acht Minuten Fahrzeit ersparen – genau die Dauer, die der Einsturz selbst in Anspruch nahm. Doch die Baustelle ist bis heute nur teilweise verfüllt, die Arbeiten dauern auch 2023 noch an.
Die Katastrophe hinterließ in Köln tiefe Spuren – sowohl physisch als auch kulturell. Während das U-Bahn-Projekt langsam voranschreitet, spiegelt der ungelöste Zustand der Baustelle die anhaltenden Folgen des Einsturzes wider. Rechtliche, politische und gesellschaftliche Debatten über den angemessenen Umgang mit den Verlusten und die Vermeidung künftiger Fehler halten bis heute an.






