Kritik an jahrelanger Verzögerung der neuen Josef-Kardinal-Frings-Brücke
Marie FuchsKritik an jahrelanger Verzögerung der neuen Josef-Kardinal-Frings-Brücke
Der Ersatz der Josef-Kardinal-Frings-Brücke stößt wegen des langwierigen Zeitplans auf Kritik. Wirtschaftsvertreter und Juristen fordern nun schnellere Planungs- und Bauverfahren. Sie warnen, dass Verzögerungen die Region jährlich Millionen durch Produktivitätsverluste und Verkehrsbehinderungen kosten.
Die Brücke, eine zentrale Route für den Güterverkehr, wird derzeit von rund 3.500 voll beladenen Lkw täglich genutzt. Viele davon bedienen die Häfen in Neuss und Düsseldorf. Doch die begrenzte Kapazität verursacht Schätzungen zufolge jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von 45 Millionen Euro.
Aktuell ist der Neubau erst für 2035 vorgesehen – allein für Planung und Vergabeverfahren sind sechs bis acht Jahre eingeplant. Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, bezeichnet diesen Zeitrahmen als inakzeptabel. Die Verzögerungen belasteten Unternehmen und Logistikbetriebe unnötig, so Steinmetz.
Die Juristen Dr. Elmar Loer und Dr. Alexander Beutling schlagen vor, die Planungsphasen auf ein Jahr zu verkürzen. Zu ihren Empfehlungen gehört die Einrichtung eines Sonderinfrastruktursenats am Oberverwaltungsgericht Münster, der Berufungen innerhalb eines Jahres abschließen soll – und so Rechtsverfahren beschleunigt.
Ein weiterer zentraler Vorschlag ist die pauschale Vergabe als Standard für komplexe Projekte. Dadurch entfiele die Notwendigkeit umfangreicher Begründungen in jeder Phase. Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, erwartet bis Ende 2025 Gesetzesentwürfe, die Planungszeiten halbieren sollen. Er besteht darauf, dass Brückensanierungen Vorrang erhalten – mit einer strengen Ein-Jahres-Frist für die Fertigstellung.
Die drei Auftraggeber des Rechtsgutachtens werden ihre Ergebnisse nun Behörden und Politikern vorlegen. Ihr Sechs-Punkte-Katalog zielt darauf ab, diese Beschleunigungsmaßnahmen durchzusetzen. Die vorgeschlagenen Änderungen sehen schnellere Genehmigungen, verbindlichere Fristen und schlankere Rechtsverfahren vor. Bei Umsetzung könnten sie den Neubau der Brücke um Jahre vorziehen. Die wirtschaftlichen Folgen der Verzögerungen bleiben für die lokale Industrie und die Verkehrsnetze ein drängendes Problem.






