01 April 2026, 00:39

NRW plant Kita-Reform: Kernzeiten gegen Fachkräftemangel – doch was sagen Eltern?

Ein Plakat mit dem Text "Brauchen die Armen ihre Kinder's Hilfe?" mit Bildern.

NRW plant Kita-Reform: Kernzeiten gegen Fachkräftemangel – doch was sagen Eltern?

Nordrhein-Westfalens neue Kinderministerin Verena Schäffer (Grüne) treibt Pläne für Kernbetreuungszeiten in Kitas voran. Mit der geplanten Reform will sie dem anhaltenden Fachkräftemangel in der frühkindlichen Betreuung im Land entgegenwirken. Schäffer kritisiert, das aktuelle System sei unzuverlässig und dringend reformbedürftig.

Das geplante Kinderbildungsgesetz sieht vor, dass Kitas ihre Stammbelegschaft auf fünf "Kernstunden" pro Tag konzentrieren. Für die verbleibenden "Randzeiten" würden ergänzende Kräfte eingestellt, die zwar pädagogisch qualifiziert sein müssten, deren Ausbildung jedoch von drei auf zwei Jahre verkürzt würde.

Kritiker warnen, dass die kürzere Ausbildungsdauer für das Ergänzungspersonal die Betreuungsqualität insgesamt schwächen könnte. Schäffer verweist hingegen auf gemischte Erfahrungen in anderen Bundesländern: In Bayern und Nordrhein-Westfalen führten ähnliche Kernzeitmodelle, die 2013 bzw. 2020 eingeführt wurden, zwar zu Personalengpässen – bedingt durch den höheren Bedarf an Vollzeitkräften. Die Zufriedenheit der Eltern fiel jedoch unterschiedlich aus: Einige schätzten die planbare Betreuung, andere kritisierten kürzere Öffnungszeiten. Die pädagogische Qualität blieb stabil oder verbesserte sich leicht, da sich das Personal in den Kernstunden besser auf die Kinder konzentrieren konnte.

Anders verlaufen die Erfahrungen in Ländern wie Schweden und Dänemark, wo flexible Kernzeitmodelle erfolgreich umgesetzt wurden. Dort haben Kitas in der Regel von 7 bis 17 Uhr geöffnet, unterstützt durch höhere Löhne für das Personal. Über 85 Prozent der Eltern zeigen sich zufrieden, und die Betreuung folgt weiterhin hochwertigen, evidenzbasierten Bildungsplänen. Studien des Statistischen Bundesamts (Destatis), des ifo Instituts sowie EU-Berichte bis 2025 unterstreichen diese Unterschiede.

Die Reform in Nordrhein-Westfalen soll den Spagat zwischen Personalmangel und verlässlicher Betreuung schaffen. Wird das Gesetz verabschiedet, würde es die Arbeitsweise der Kitas grundlegend ändern: mit einer Mischung aus voll ausgebildeten Stammkräften und kürzer qualifizierten Ergänzungskräften. Ob das Modell gelingt, hängt davon ab, ob es die in anderen Regionen beobachteten Fallstricke vermeidet – und gleichzeitig eine zuverlässige, hochwertige Betreuung sicherstellt.

AKTUALISIERUNG

New Minister's Swift Appointment Sparks Kita Reform Push

Minister Verena Schäffer took office on 27 January 2026, just weeks before unveiling her Kita reform plans. Her appointment followed the resignation of predecessor Josefine Paul, with formal swearing-in on 28 January. This rapid transition has positioned Schäffer to immediately address childcare challenges as Minister in the Wüst II cabinet.