Willich streicht Kita-Neubau – Eltern im Norden protestieren gegen Standortverlegung
Moritz KellerWillich streicht Kita-Neubau – Eltern im Norden protestieren gegen Standortverlegung
Willich hat die Pläne für die neue Alperhof-Kita am ursprünglichen Standort gestrichen. Stattdessen wird die Einrichtung in das generationenübergreifende Projekt Reinershof verlegt. Die Entscheidung fällt in einer Zeit, in der die Stadt bis 2029 mit einem Überschuss von 440 Betreuungsplätzen rechnet – bedingt durch sinkende Geburtenraten und eine geringere Nachfrage.
Eltern in den nördlichen Stadtteilen wie Anrath und Neersen kritisieren den Schritt scharf. Sie befürchten, dass ihnen damit lokale Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder fehlen. Zudem wirft die Verlegung Fragen zur Attraktivität der Region für junge Familien auf.
In den vergangenen zehn Jahren verzeichneten die nördlichen Stadtteile Willichs einen kontinuierlichen Rückgang der Geburtenzahlen. Daten von 2016 bis 2026 zeigen einen Rückgang von 1,6 auf 1,4 Kinder pro Frau. Dieser Trend hängt mit einer alternden Bevölkerung und der Abwanderung junger Menschen in die Vorstädte zusammen, wobei viele die Familiengründung hinauszögern. Das durchschnittliche Alter bei der Geburt des ersten Kindes stieg laut Berichten des Rhein-Kreises Neuss und der Stadt von 29,2 auf 31,1 Jahre.
Die Stadt hat zudem weitere Änderungen im Kita-Bereich bekannt gegeben: Die Einrichtung St. Irmgardis wird nach dem Kitajahr 2026/2027 geschlossen. Die Villa Kunterbunt übernimmt ab 2027/2028 deren Gebäude. Das DRK-Brückprojekt "Schatzkiste" endet zum 31. Juli 2026, während die vom AWO betriebene Kita "Blaues Haus" in Schiefbahn bis zum 31. Juli 2027 weiter gefördert wird, bevor über ihre Zukunft entschieden wird.
Die technische Beigeordnete Sarah Bünstorf bestätigte, dass der neue Alperhof-Standort die gesetzlichen Anforderungen an die Erreichbarkeit mit Auto und Bus erfüllt. Gleichzeitig betonte sie, dass die Stadt es sich angesichts der finanziellen Belastung und der sinkenden Nachfrage nicht leisten könne, zwei neue kommunale Kitas zu bauen. Gespräche mit dem Kirchenvorstand werden fortgesetzt, um mögliche Anpassungen zu besprechen.
Die Umstrukturierungen führen zu weniger Betreuungsangeboten im Norden Willichs, wo sich Familien bereits benachteiligt fühlen. Die Prognosen der Stadt deuten auf ein deutliches Überangebot an Plätzen innerhalb der nächsten fünf Jahre hin – getrieben durch demografische Veränderungen und Haushaltszwänge. Die Verantwortlichen werden die Nachfrage weiter beobachten und gemeinsam mit lokalen Partnern die Angebote bedarfsgerecht anpassen.