Zuckerrübenanbau in Deutschland kämpft um Überleben durch Preisdruck und Klimaherausforderungen
Henry SchmittZuckerrübenanbau in Deutschland kämpft um Überleben durch Preisdruck und Klimaherausforderungen
Zuckerrübenanbau in Deutschland gerät zunehmend unter Druck
Sinkende Preise, steigende Kosten und die Konkurrenz durch zollfreie Importe drücken die Gewinne – viele Landwirte reduzieren daher ihre Anbauflächen. Gleichzeitig erschweren Krankheiten wie die Cercospora-Blattfleckenkrankheit und Stolbur sowie resistente Unkräuter die Produktion zusätzlich.
Um die Erträge zu sichern, setzen Bauern zunehmend auf neue Pflanzenschutzmittel – von moderneren Herbiziden bis hin zu Biostimulanzien. Doch trotz dieser Maßnahmen ist die Gesamtanbaufläche für Zuckerrüben seit 2023 um 15–20 Prozent geschrumpft, wobei besonders Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg starke Rückgänge verzeichnen.
Auch der Betrieb Metternich-Ratibor-Corvey KG in Höxter (Nordrhein-Westfalen) spürt den Druck: Hier sank die Anbaufläche von 160 Hektar im Jahr 2023 auf nur noch 118 Hektar in diesem Jahr. Niedrige Zuckerpreise und veränderte Marktbedingungen machen den Anbau weniger rentabel, sodass das Unternehmen zurückfahren musste.
Deutschlandweit ist die Zuckerrübenfläche von rund 38.000 Hektar (2023) auf voraussichtlich 30.000–32.000 Hektar (2026) gesunken. Klimaherausforderungen und Kürzungen bei EU-Subventionen verschärfen die Lage. Ohne bessere Wirtschaftlichkeit warnen Experten vor Risiken für die heimische Produktion – und damit für die regionale Zuckerversorgung.
Gegen hartnäckige Unkräuter wie Gänsefuß testete Betriebsleiter Marius Feldmann auf 44 Hektar das neue Herbizid Rinpode. Dessen Wirkstoff Florpyrauxifen-benzyl wirkt anders als ältere auxinbasierte Mittel und bietet eine innovative Lösung gegen Resistenzen. Mit nur 20 Milliliter pro Hektar erwies es sich als einfach anwendbar und kombinierbar mit anderen Behandlungen.
Notfallzulassungen für bestimmte Chemikalien halfen Landwirten in den vergangenen Jahren, Krankheiten und Unkräuter in Schach zu halten. Seit 2026 sind jedoch einige Lösungen – darunter Badge WG, Coprantol Duo und Recudo – dauerhaft gegen die Cercospora-Blattfleckenkrankheit zugelassen. Zwar bringen diese Mittel Entlastung, doch bevorzugen Erzeuger langfristige, stabile Zulassungen statt temporärer Lösungen.
Angesichts schrumpfender Gewinne und schwierigerer Anbaubedingungen setzen Zuckerrübenbauern verstärkt auf Innovation, um zu überleben. Neue Herbizide, Fungizide und Biostimulanzien helfen, die Erträge zu sichern – doch der Rückgang der Anbauflächen deutet auf tiefgreifendere Herausforderungen hin. Hält der Trend an, könnte der deutsche Zuckerrübensektor weitere Einbußen erleben, mit Folgen für die lokale Produktion und die Lieferketten.