29 June 2026, 18:15

Bachmannpreis 2024: Provokation, Prekarität und ein Akt des Widerstands

Gegen alles in Frontalopposition

Bachmannpreis 2024: Provokation, Prekarität und ein Akt des Widerstands

Die Verleihung des Bachmannpreises endete mit bemerkenswerten Siegen und mutigen Statements

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die diesjährige Ausgabe des Bachmannpreises ging mit einer Reihe beachtlicher Auszeichnungen und provokanter Aussagen zu Ende. Die Autor:innen setzten sich in ihren Texten mit Themen wie Prekarität und persönlicher Identität auseinander, während Debatten über wirtschaftliche und künstlerische Werte die Diskussionen prägten. Die Veranstaltung bot zudem einen seltenen Moment des Widerstands vonseiten einer Teilnehmerin.

Slata Roschal eröffnete die Lesungen mit einer Geschichte, die sich nicht mit wirtschaftlicher Not, sondern mit der Literaturszene selbst beschäftigte. Ihr Text löste beim Publikum gemischte Reaktionen aus. Nach ihrer Lesung weigerte sie sich, vor die Jury zu treten, und kritisierte die Art und Weise, wie die literarische Establishment Autor:innen behandle.

In diesem Jahr bestand die Jury ausschließlich aus Frauen. Ihre Diskussionen kreisten häufig um Klasse und wirtschaftliche Kämpfe, mit Bemerkungen wie „wunderbar proletarisch“ oder „Faszination für die Unterschicht“. Viele der Texte griffen wiederkehrende Motive auf – etwa Flecken, die subtil auf prekäre Lebensumstände verweisen.

Schaette gewann nicht nur den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis, sondern auch den Publikumspreis. Ihr prämierter Text „Was wir tragen“ setzte sich mit der lebenslangen Gewalt auseinander, der übergewichtige Menschen ausgesetzt sind. Kinga Tóth erhielt den KELAG-Preis für ihre Schilderung der täglichen Demütigungen eines „Ostblock-Mädchens“.

Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde mit dem Deutschlandfunk-Preis für „Vater ohne Sohn“ ausgezeichnet – eine zurückhaltend, doch eindringliche Erzählung über die Kämpfe eines schwulen Vaters. Burkhard Spinnen forderte unterdessen „frontale Opposition gegen alles“ in der Kunst und betonte die Notwendigkeit künstlerischer Freiheit von gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Druck. Ein besonderer Höhepunkt war die Aufführung einer Passage aus Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“*, in der Gottvater an einem glühend heißen Sommertag auf der Anklagebank sitzt.

Die Preise sind vergeben, die Debatten abgeschlossen. Schaette, Tóth und Keskinkılıç nehmen ihre Auszeichnungen für Werke entgegen, die sich mit persönlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen befassen. Die Veranstaltung unterstrich sowohl die Kraft des Erzählens als auch die Spannungen innerhalb der Literaturszene.

Quelle