Dokumentation zeigt wachsende Wut im Westen Deutschlands – warum NRW kocht
Amelie KleinDokumentation zeigt wachsende Wut im Westen Deutschlands – warum NRW kocht
Wut. Jetzt fahren wir in den Westen – unter diesem Titel wirft der preisgekrönte Filmemacher Matthias Schmidt in seiner neuen Dokumentation einen Blick auf die wachsende Frustration im Westen Deutschlands. Statt wie üblich den Osten in den Fokus zu nehmen, untersucht der Film die Kluft zwischen öffentlichen Erwartungen und politischer Realität – und fragt, warum sich gerade in Nordrhein-Westfalen, einer Region, die seit langem vom industriellen Niedergang geprägt ist, der Unmut immer weiter verbreitet.
Schmidt, Träger des Grimme-Preises, erhielt 1989 sein Begrüßungsgeld im Postamt von Lüdenscheid – das inzwischen geschlossen ist und still für den Wandel steht, den er heute thematisiert. Seine Dokumentation bricht mit dem gewohnten Schema: Statt dass westdeutsche Journalisten über den Osten berichten, reist er selbst durch Nordrhein-Westfalen und spricht mit Einheimischen, Zugewanderten aus der DDR und Menschen mit Migrationshintergrund.
In Duisburg-Marxloh zeigt Burak Yilmaz, ein Deutscher mit türkischen Wurzeln, auf, dass in seinem Viertel seit 40 Jahren keine Investitionen mehr geflossen sind. Kerstin Buscha, die aus Hoyerswerda zugezogen ist, fühlt sich im Ruhrgebiet zu Hause, bleibt aber emotional mit dem Osten verbunden. Marion Scholl vom Bundespräsidialamt in Bonn beschreibt unterdessen, wie sich die Stadt seit dem Regierungsumzug verändert hat – jünger, internationaler und weniger verkrustet geworden ist.
Ein zentraler Unterschied wird im Film deutlich: Während der Westen seit Jahrzehnten Erfahrung mit Migration hat, fehlt diese im Osten weitgehend. Durch Gespräche und Beobachtungen zeichnet Schmidt das Bild einer Region, die mit Vernachlässigung, wirtschaftlichen Umbrüchen und dem Gefühl kämpft, dass politische Entscheidungen längst nicht mehr die Lebensrealität der Menschen widerspiegeln.
Die Dokumentation ist nun in der ARD-Mediathek abrufbar. Sie bietet einen seltenen Einblick in die Frustrationen des Westens – von maroder Infrastruktur bis hin zur politischen Entfremdung. Indem Schmidt die übliche Ost-West-Perspektive umkehrt, fordert sein Film die Zuschauer auf, neu darüber nachzudenken, wo Unmut eigentlich seinen Ursprung hat.






