EU-Recht auf Reparatur: Mehr Nachhaltigkeit – aber zu welchem Preis für Verbraucher?
Moritz KellerEU-Recht auf Reparatur: Mehr Nachhaltigkeit – aber zu welchem Preis für Verbraucher?
Neue EU-„Recht auf Reparatur“-Regel soll Lebensdauer von Elektrogeräten verlängern – doch die Kosten könnten steigen
Eine neue EU-Vorgabe zum „Recht auf Reparatur“ zielt darauf ab, die Nutzungsdauer von Elektro- und Haushaltsgeräten zu verlängern, indem Reparaturen einfacher und zugänglicher werden. Die Richtlinie, die im Juli 2024 in Kraft trat, verpflichtet Hersteller, auch nach Ablauf der Garantie Reparaturen zu fairen Preisen anzubieten. Doch es mehren sich Bedenken, dass die Maßnahme nach hinten losgehen und sowohl Reparaturkosten als auch die Preise für Neugeräte in die Höhe treiben könnte.
Laut der Verordnung müssen Unternehmen Reparaturen nun auch über die gesetzliche Garantiezeit hinaus zu angemessenen Konditionen anbieten. Das Ziel: Müllberge verringern und Verbraucher dazu ermutigen, defekte Geräte reparieren zu lassen statt sie wegzuwerfen. Erste Reaktionen deuten jedoch darauf hin, dass die Änderungen unbeabsichtigte finanzielle Belastungen mit sich bringen könnten.
Hersteller warnen, dass zusätzliche Kosten für Ersatzteile und Lagerung die Reparaturpreise wahrscheinlich steigen lassen werden. Rund 63 Prozent der Produzenten erwarten, dass Kunden aufgrund höherer Personalkosten und logistischer Herausforderungen mit teureren Reparaturrechnungen konfrontiert werden. Gleichzeitig rechnen 68 Prozent der Händler damit, dass auch ihre eigenen Reparaturkosten aus denselben Gründen steigen werden.
Hinzu kommt ein Mangel an Fachkräften, der die Situation weiter verschärft. Etwa 74 Prozent der Händler geben zu, dass sie nicht genug Kapazitäten haben, um eine Zunahme an Reparaturanfragen zu bewältigen. Das könnte zu Verzögerungen führen oder manche Betriebe sogar dazu zwingen, Kunden abzuweisen.
Auch die Verbraucher stehen der Regelung skeptisch gegenüber. Aktuell empfinden 70 Prozent Reparaturen im Vergleich zum Neukauf als zu teuer – die meisten sind nicht bereit, mehr als 22 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises für eine Reparatur auszugeben. Zudem herrscht Uneinigkeit zwischen Händlern und Herstellern darüber, wie sich die Regelung auf die Preise neuer Produkte auswirken wird: 62 Prozent der Händler erwarten Preisaufschläge für Neugeräte, während nur 37 Prozent der Hersteller diese Einschätzung teilen.
Deutschland hat bis Juli 2026 Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Bis dahin bleiben Unternehmen und Verbraucher in einer Phase der Unsicherheit.
Die EU-Reparaturrichtlinie soll durch die Reduzierung von Elektroschrott mehr Nachhaltigkeit fördern. Doch wenn Hersteller, Händler und Verbraucher gleichermaßen mit höheren Kosten rechnen, bleibt ihr Erfolg fraglich. Ob die Maßnahme wirkt, hängt davon ab, wie gut sich die Wirtschaft anpasst – und ob Kunden bereit sind, für Reparaturen statt für Neukäufe tiefer in die Tasche zu greifen.






