EU verliert Marktanteile im Golf: Warum ein Handelsabkommen jetzt dringend nötig ist
Henry SchmittEU verliert Marktanteile im Golf: Warum ein Handelsabkommen jetzt dringend nötig ist
Handel zwischen EU und Golfstaaten geht seit zwei Jahrzehnten zurück
Vor 20 Jahren lieferte die EU noch 26 Prozent aller Importe in die Golfregion – doch bis 2024 ist dieser Anteil auf nur noch 18 Prozent gesunken. Eine neue Studie des Deutschen Wirtschaftsinstituts (IW) unterstreicht nun die Notwendigkeit engerer wirtschaftlicher Beziehungen, trotz der anhaltenden Konflikte im Nahen Osten.
Laut dem IW-Bericht verändern sich die Handelsströme in der Golfregion grundlegend: Die Staaten diversifizieren aktiv ihre Partnerschaften. Gleichzeitig steht die Region vor mittelfristigen Herausforderungen, etwa der dringend benötigten Sanierung ihrer durch Kriege beschädigten Energieinfrastruktur. Deutsche Unternehmen – insbesondere aus dem Maschinen- und Anlagenbau – könnten von diesen Wiederaufbauprojekten profitieren.
Bereits heute exportiert Deutschland Autos, Pharmaprodukte und Industrieanlagen in die Golfstaaten. Das IW betont, dass eine vertiefte Handelszusammenarbeit weitere Vorteile bringen würde – etwa den Zugang zu kohlenstoffarmem Stahl und günstigerem Wasserstoff aus der Golfregion.
Um diese Chancen zu nutzen, fordert das IW die EU auf, ein formelles Handelsabkommen mit den Golfstaaten auszuhandeln. Ein solches Abkommen würde nicht nur der deutschen Industrie Auftrieb geben, sondern auch Europa helfen, seine Energie- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Ein Handelsdeal könnte beiden Seiten neue Perspektiven eröffnen: Die EU erhielte Zugang zu Schlüsselressourcen wie grünem Stahl und Wasserstoff, während die Golfstaaten von deutscher Expertise im Maschinenbau und Infrastrukturprojekten profitieren würden. Die Empfehlungen des IW kommen zu einer Zeit, in der sich die wirtschaftlichen Prioritäten der Region angesichts anhaltender Instabilität neu ausrichten.
