Gericht verbietet Vueling Handgepäckgebühren – ein Präzedenzfall für Europa
Henry SchmittGericht verbietet Vueling Handgepäckgebühren – ein Präzedenzfall für Europa
Ein deutsches Gericht hat die Handgepäckgebühren von Vueling für ungerecht gegenüber Passagieren erklärt und sie damit verboten. Die Entscheidung folgt auf eine Klage des Verbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), der argumentierte, dass Airlines keine Zusatzkosten für standardmäßiges Handgepäck erheben dürften. Das Urteil könnte Präzedenzfall für ähnliche Verfahren in ganz Europa werden.
Das Oberlandesgericht Hamm entschied, dass Vueling das kostenlose Handgepäck nicht auf eine kleine Tasche mit den Maßen 20 x 30 x 40 Zentimeter beschränken darf. Stattdessen muss die Fluggesellschaft Passagieren gestatten, ein kleines persönliches Gepäckstück sowie einen standardmäßigen Kabinenkoffer mit mindestens 115 Zentimetern Umfang und bis zu zehn Kilogramm Gewicht ohne zusätzliche Gebühren mitzuführen. Das Gericht begründete, Handgepäck sei ein grundlegender Bestandteil des Flugreiseservice und müsse den berechtigten Bedürfnissen der Passagiere ohne Zusatzkosten entsprechen.
Ramona Popp, die Vorstandsvorsitzende des vzbv, kritisierte, dass Airlines mit höheren Gebühren für Kabinengepäck zusätzliche Gewinne erzielten. Sie forderte klare gesetzliche Regelungen, um solche Praktiken zu unterbinden, und bestand darauf, dass Ticketpreise automatisch sowohl ein kleines persönliches Gepäckstück als auch einen standardgroßen Kabinenkoffer beinhalten müssten. Der vzbv hatte Vueling wegen seiner umstrittenen Richtlinie verklagt, was nun zu diesem richtungsweisenden Urteil führte.
Unterdessen harren ähnliche Klagen gegen EasyJet, Eurowings und Wizz Air noch einer Entscheidung. Auch in diesen Fällen wird die Handgepäckpolitik der Airlines angefochten. Parallel begannen heute in Brüssel die Verhandlungen über eine Reform der EU-Fluggastrechte, wobei bisher keine früheren Stellungnahmen von EU-Institutionen zu Gepäckbeschwerden auffindbar waren.
Das Urteil zwingt Vueling, seine Handgepäckregelungen umgehend zu ändern. Passagiere der Airline dürfen nun einen standardmäßigen Kabinenkoffer ohne Aufpreis mitnehmen. Die Entscheidung könnte sich auf laufende Rechtsstreitigkeiten auswirken und künftige EU-Diskussionen über Fluggastrechte prägen.






