Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom Filmfestival FID Marseille zurück
Henry SchmittNadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom Filmfestival FID Marseille zurück
Ein Streit ist um die geplante Rolle des israelischen Regisseurs Nadav Lapid als Jurymitglied beim internationalen Filmfestival FID Marseille entbrannt. Nach wachsendem Druck von Filmschaffenden und Branchenvertretern zog er seine Teilnahme zurück. Zwei öffentliche Stellungnahmen in Le Monde verteidigten ihn später und entfachten die Debatte über kulturelle Boykotte erneut.
Der Konflikt begann, als Festivalleiterin Tsveta Dobreva Lapid einlud – einen bekannten Kritiker der Regierung von Benjamin Netanyahu. Sie betonte, die Entscheidung basiere ausschließlich auf seinem filmischen Werk. Lapid lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich, und sein jüngster Film Yes wurde von Variety als scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus beschrieben.
Etwa zehn Filmschaffende, darunter die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari, zogen ihre Filme aus Protest vom Festival zurück. Mari wies den Vorwurf der Zensur zurück, bezeichnete ihren Schritt aber als Haltung gegen Lapids Positionen. Angesichts des zunehmenden Drucks erklärte sich Lapid bereit, zurückzutreten, um weitere Störungen der Veranstaltung zu vermeiden.
Über 350 Branchenvertreter, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, unterzeichneten einen offenen Brief, der den Boykott verurteilte. Le Monde veröffentlichte zwei Stellungnahmen zu seinen Gunsten, eine davon mit dem Titel Kino ist keine Botschaft, die sich gegen politisch motivierte kulturelle Boykotte aussprach.
Lapid zog sich schließlich vom Festival zurück, um die Spannungen zu entschärfen. Sein Rückzug folgte auf eine Welle von Filmrückzügen und öffentlicher Kritik. Der Vorfall unterstreicht die anhaltenden Gräben zwischen Kunst und Politik bei kulturellen Veranstaltungen.
