Stahlindustrie setzt auf Wasserstoff – doch der Umstieg ist ein Wettlauf gegen die Zeit
Moritz KellerStahlindustrie setzt auf Wasserstoff – doch der Umstieg ist ein Wettlauf gegen die Zeit
Die deutsche Stahlindustrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel, um ihre CO₂-Emissionen drastisch zu senken. Aktuell produziert sie jährlich 40 Millionen Tonnen Rohstahl – verantwortlich für etwa acht Prozent der deutschen Kohlendioxidemissionen, vor allem durch den Kohleeinsatz in Hochöfen.
Thyssenkrupp Steel, mit Sitz in Duisburg, betreibt Europas größten Industriekomplex mit vier Hochöfen und 13.500 Beschäftigten. Allein die deutschen Werke des Konzerns stellen jährlich zehn Millionen Tonnen Stahl her. Das Unternehmen treibt das Projekt „tkH2Steel“ voran, um auf grünen Wasserstoff umzusteigen – gefördert durch Bundes- und Landesmittel.
Direktreduktionsanlagen bieten bereits heute eine klimafreundlichere Alternative zu herkömmlichen Verfahren. Werden sie mit Erdgas statt Kohle betrieben, sinken die CO₂-Emissionen um etwa 50 Prozent. Mit grünem Wasserstoff ließe sich noch mehr einsparen: 28 Tonnen CO₂ pro Tonne im Hochofen. Doch dies setzt voraus, dass die Wasserstoffproduktion und die notwendige Infrastruktur in Deutschland und Europa massiv ausgebaut werden.
Ein neues Direktreduktionswerk in Duisburg würde täglich 400 Tonnen Wasserstoff benötigen, um 2,5 Millionen Tonnen direktreduziertes Eisen herzustellen. Die Branche strebt an, bis 2045 komplett klimaneutral zu produzieren – dann nur noch mit fossilen oder CO₂-armen Verfahren. Ob dies gelingt, hängt entscheidend vom Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ab.
Der Umstieg auf Wasserstoff und Direktreduktion ist schlüsselig für die Klimaziele – und für die Zukunftsfähigkeit der Branche in einer fossilfreien Wirtschaft. Gelingt er nicht, steht die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Stahlindustrie auf dem Spiel.
