Von Kreuzbergs Straßen in die Geschichte: Das brutale Erbe der 36 Boys
Amelie KleinVon Kreuzbergs Straßen in die Geschichte: Das brutale Erbe der 36 Boys
„36 Boys: Wie eine Kreuzberger Bande zur Legende wurde“ – ein neues Buch erzählt den Aufstieg einer von Berlins berüchtigtsten Straßengangs. Zu ihren Mitgliedern zählte Tim Raue, der als einziger Deutscher in der Gruppe durch eine brutale Aufnahmeprüfung und spätere Straßenschlachten in Kreuzberg geprägt wurde. Die Gang, gegründet auf der Suche nach Anerkennung und Zugehörigkeit, hinterließ Spuren in der bewegten Geschichte der Stadt.
Die 36 Boys formierten sich in Berlin-Kreuzberg als eng verbundene Gruppe, die nach Akzeptanz strebte. Für junge Rekruten wie Tim Raue bedeutete der Beitritt eine grausame Initiation: Er musste sich drei volle Minuten lang gegen zwei bestehende Mitglieder behaupten. Raue, damals erst 14 Jahre alt, wurde bei dem Ritual verprügelt – eine Erfahrung, die er später im Buch schildert.
Zwischen seinem 14. und 16. Lebensjahr tauchte Raue vollständig in die gewalttätige Welt der Gang ein. Straßenschlachten mit verfeindeten Gruppen gehörten zum Alltag, und obwohl er Angst hatte, wich er nie zurück. Das Buch schildert diese Kämpfe und zeichnet ein schonungsloses Bild der Kreuzberger Gangkultur der späten 20. Jahrhunderts.
Jahrzehnte später hat sich Raue öffentlich von der Gewalt distanziert. Heute, als respektierte Persönlichkeit, blickt er offen auf seine Vergangenheit zurück und liefert einen seltenen authentischen Bericht über das Leben innerhalb der 36 Boys.
Das Buch wirft ein Licht auf ein dunkles Kapitel der Berliner Geschichte – aus der Perspektive derer, die es selbst erlebt haben. Raues Weg – von den Prügeln der Initiation bis zu den Straßenschlachten – offenbart die harte Realität des Ganglebens. Sein späterer Abschied von der Gewalt steht in scharfem Kontrast zu seiner Jugend und verleiht den Lehren, die aus dem Erbe der 36 Boys gezogen werden, besonderes Gewicht.






