Wasserstoffbranche zwischen Ölpreis-Höhenflug und operativen Rückschlägen
Marie FuchsWasserstoffbranche zwischen Ölpreis-Höhenflug und operativen Rückschlägen
Wasserstoffunternehmen erleben Höhen und Tiefen – zwischen steigenden Ölpreisen und operativen Herausforderungen
Während die explodierenden Ölpreise Wasserstoff als Energieträger wettbewerbsfähiger machen, kämpfen Unternehmen wie ITM Power und Nel ASA weiterhin mit schwindendem Investorenvertrauen. Gleichzeitig bleiben konkrete Projekte wie die wasserstoffbetriebenen Müllfahrzeuge in Bielefeld wegen Treibstoffmangels und technischer Probleme am Boden.
Die städtischen Abfallbetriebe in Bielefeld haben ihre Wasserstoff-Müllwagen monatelang stillgelegt. Die Fahrzeuge galten bereits vor der aktuellen Krise als unzuverlässig – nun fehlt schlicht der Kraftstoff, um sie zu betreiben. Trotz dieser Rückschläge betonen Kommunalpolitiker, die Probleme seien vorübergehend, und bekräftigen ihr Bekenntnis zur Wasserstofftechnologie.
Die Ölpreise zeigen seit sechs Monaten extreme Schwankungen. Von Ende 2025 bis Anfang 2026 stieg der Preis für Brent-Rohöl stetig von etwa 66 auf 77 US-Dollar pro Fass, angetrieben durch geopolitische Spannungen. Im März schnellte er nach der US-israelischen Intervention im Iran und der Blockade der Straße von Hormus auf fast 120 Dollar hoch. Obwohl er sich später auf 90 bis 100 Dollar einpendelte, hat der Preisschub Wasserstoff als Alternative für Energie und Verkehr attraktiver gemacht.
Die Marktveränderung bescherte Wasserstoffunternehmen einen leichten Aufschwung. Der norwegische Elektrolyse-Spezialist Nel ASA notiert knapp über seinem Allzeittief von 0,17 Euro – doch eine treue Anlegergruppe hält dem Unternehmen die Stange. ITM Power kündigte zwar ein neues Großprojekt an, verlor aber am Montag 2,1 Prozent und schloss bei 0,73 Euro, ein Zeichen für anhaltende Skepsis. Auch Bloom Energy büßte am Freitag 1,7 Prozent ein und endete bei 154,51 Dollar, da Investoren die künftige Auftragslage hinterfragen.
Hohe Ölpreise stärken zwar die wirtschaftliche Argumentation für Wasserstoff, doch operative Hürden und Investorenzweifel bleiben bestehen. Die stillstehenden Müllwagen in Bielefeld verdeutlichen die praktischen Schwierigkeiten, während die Börsenkurse die Unsicherheit über die langfristige Tragfähigkeit der Branche widerspiegeln. Fortschritte hängen nun davon ab, ob es gelingt, sowohl technische als auch finanzielle Hindernisse zu überwinden.